Wie wirkt sich Europa auf deutsche Unternehmen aus?

„Europa war noch nie so notwendig wie heute“, betonte Christian Herrmann, Direktor des Vöhlin-Gymnasiums, zum Auftakt einer schulübergreifenden Vortragsveranstaltung des Europabüros der Stadt Memmingen. Vor rund 250 Schülerinnen und Schülern referierten Harald Post, Vorstandsmitglied der Sparkasse Schwaben-Bodensee, und Lothar Holder, Vorstandsmitglied der Goldhofer AG, über
die Auswirkungen Europas auf deutsche Unternehmen. Oberbürgermeister Manfred Schilder dankte den Referenten für ihr Engagement zugunsten der jungen Generation und ermutigte die Schülerinnen und Schüler zu Aufgeschlossenheit und Offenheit und Neugier gegenüber den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in den Ländern Europas. „Europa ist unsere Zukunft“, betonte OB Schilder. „Aktuell leidet Europa Not. Der Krieg in der Ukraine, nationalistische Tendenzen in mehreren Ländern und auch
der schwache Euro gegenüber dem Dollar bereiten uns Sorgen“, erklärte er in seiner Begrüßung im Vöhlin- Gymnasium. Die Schülerinnen und Schüler des Vöhlin-Gymnasiums, der Sebastian-Lotzer-Realschule, der Jakob-Küner- Wirtschaftsschule und der FOS/BOS sowie Auszubildende der Stadt Memmingen und von Goldhofer erhielten zunächst grundlegende Informationen über die historischen Hintergründe der Bankenregulierung in den USA und der EU. Harald Post, Vorstandsmitglied der Sparkasse Schwaben-Bodensee, vertiefte und erläuterte die Regulierungen in der EU – z.B. verschärfte

Eigenkapitalvorschriften, den europäischen Bankenabwicklungs- und den Einlagensicherungsfonds. Post kritisierte dabei, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die in Deutschland bereits über eigene, nachgewiesen funktionsfähige Sicherungssysteme verfügten, genauso wie Großbanken in die Fonds einzahlen müssen. Weiter erläuterte Post die deutsche Position zur Absicht der EU, eine Vergemeinschaftung aller Sicherungssysteme anzustreben. Harald Post informierte über die Einführung des Euro, die SEPA-Migrationsverordnung, die 2014 umgesetzt wurde und auch – ganz aktuell – über die EU-Taxonomie, mit der Kapitalflüsse auf nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten gelenkt werden sollen. Abschließend erfuhren die Schülerinnen und Schüler auch einiges über die Politik der Europäischen
Zentralbank in den zurückliegenden Jahren. Lothar Holder, Vorstandsmitglied der Goldhofer AG, erläuterte die Vorteile des EU-Binnenmarkts. Mit 500 Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern und einer Wirtschaftsleistung von rund 11,5 Billionen Euro sei der europäische Binnenmarkt einer der größten einheitlichen Märkte der industrialisierten Welt – ohne Zölle und mit vielen einheitlichen Regelungen und Normen. Vier Grundfreiheiten bilden die Grundlage für den EU-Binnenmarkt, führte Holder aus: freier Warenverkehr, Personenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit und freier Kapital- und Zahlungsverkehr.
Damit der Binnenmarkt funktionieren könne, brauche es weitreichende Instrumente: ein umfassendes Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen, ein Verbot der missbräuchlichen Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung, Fusionskontrollverfahren und ein Verbot staatlicher Beihilfen.
Dem Euro, der einheitlichen Währung in der EU, maß Lothar Holder eine immens wichtige Bedeutung zu. Der Euro biete Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und den Volkswirtschaften der Euro-Länder zahlreiche Vorteile: einen einfacheren Preisvergleich und Preisstabilität. Der Euro mache es für Unternehmen einfacher, billiger und sicherer, im gesamten Euro-Raum zu kaufen und verkaufen sowie weltweit Handel zu treiben. Der Euro führe zu besser integrierten und somit effizienteren Finanzmärkten, bringe mehr Einfluss in der Weltwirtschaft und sei ein greifbares Symbol der europäischen
Identität. In zahlreichen Fragen und einer regen Diskussion hatten die jungen Leute die Gelegenheit, sich mit den Unternehmensvorständen direkt auszutauschen.

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