Wenn die Welt sich langsamer dreht

Geschenke für Mama: "Danke dass du Zeit hattest"

„Findest du es nicht auch total anstrengend mit einem kranken Kind zu Hause?“

Nö. Eigentlich nicht.

Mir kommt es vor, als würde die Uhr langsamer ticken, ich habe Zeit für alles was ich tun will – Brot backen, Home Office, den Stromversorger wechseln.

Es ist ganz still in der Wohnung, obwohl ich nicht alleine zu Hause bin. Von draußen höre ich, wie das Müllauto an jeder Hofeinfahrt anhält und klappernd und rumpelnd die Reste unseres Alltags in seinen Bauch schüttet.

„Mama, Durst“, höre ich aus dem Wohnzimmer ein leises Stimmchen. Meine Tochter liegt mit Fieber auf dem Sofa und ist gerade aufgewacht. Ein Schluck Wasser reicht schon. Ihr ist es am liebsten, wenn alles ruhig ist. Nicht mal ein Buch soll ich vorlesen. „Hand halten“, sagt sie. Also sitze ich neben ihr auf dem Sofa und halte die warme Hand. Wir reden nicht, wir sind einfach nur.

Später kommt der Große aus der Schule nach Hause, der Schlüssel im Türschloss knackt leiser als sonst. Die Schuhe fliegen nicht quer durch den Flur beim Ausziehen. Sein erster Gang ist der ins Wohnzimmer. „Wie geht’s ihr?“ Ein Lächeln, einmal über den Kopf streicheln, die Hand halten.

Es bleibt ruhig in der Wohnung. Wir reden alle leiser, wenn nicht sogar langsamer. Den Nachmittag verbringen wir mit Wadenwickel und Wasser in kleinen Schlucken. Und mit Sein. Und es ist nicht mal langweilig.

Nach zwei Tagen ist das Gröbste überstanden. Die kleine Patientin hat sich erholt, und wir haben uns auch erholt vom Alltag. Den Rest davon hat das Müllauto ja schon mitgenommen.

Manuela Subba

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